Buchcover: Friederike Potreck-Rose: Von der Freude den Selbstwert zu stärkenEine Buchrezension als Gastbeitrag von Marilyn Qammou

Friederike Potreck-Rose macht gleich zu Beginn klar: Der Selbstwert, das ist der Wert, den wir uns selber zuschreiben und dieser resultiert aus einer „völlig subjektiven Bewertung der eigenen Person“ (S. 7/8) und hat nichts mit objektiven Kriterien oder dem, wie andere uns wahrnehmen, zu tun. Ausserdem gibt es nicht einen eigentlichen, sondern mehrere Selbstwerte, von denen nicht jeder gleichermassen gestärkt oder geschwächt ist. Dies beschreibt die Autorin im Einstiegskapitel „Worum es in diesem Buch geht“ und erklärt ausserdem, wie das Buch zu handhaben ist.

In den folgenden sieben Kapiteln berät sie den Leser bei der Arbeit an sich selbst: Im Kapitel „Achtsam werden“ zeigt Potreck-Rose auf, dass Achtsamkeit die Grundlage ist, um an sich zu arbeiten, da man erst durch Selbstbeobachtung und Achtsamkeit erkennt, ob man in alten Mustern steckt. In „Einen wohlwollenden Begleiter wählen“ ermutigt sie die Leserschaft, sich selbst die beste Freundin oder der beste Freund zu sein, um mit positiver Kraft einem starken inneren Kritiker entgegenhalten zu können, der in „Den inneren Kritiker mässigen“ beschrieben wird. Dort wird ausserdem aufgezeigt, wie man einen übermächtigen inneren Kritiker abschwächen kann.

Im Kapitel „Den Faulpelz rehabilitieren“ spiegelt sie dem Leser Widerstände und leitet ihn an, diese durch bewusste Arbeits- und Freizeitgestaltung zu mindern oder aufzuheben. In „Wie wohlwollender Begleiter, Kritiker und Faulpelz ein Team werden“ geht es Potreck-Rose darum, aufzuzeigen, dass jene drei Komponenten die wichtigsten Kräfte für den Selbstwert sind, da sie im Zusammenspiel für Erfolg oder Misserfolg beim Erreichen von Zielen und Erledigen von Aufgaben verantwortlich sind: „Sie wissen selbst, wie befriedigend es sein kann, sich etwas vorzunehmen, dafür Energie aufzubringen und dann auch am Ziel anzukommen. Es kann den Selbstwert ungeheuer stärken, ein gut eingespieltes Team zu haben, wenn es um das Erreichen von Zielen geht.“ (S. 81).

„Sich selbst Vater und Mutter werden“ handelt von der Eigenverantwortung und dem fürsorglichen, sorgfältigen Umgang mit sich und seinen Ressourcen. Und schliesslich geht es in „Die Schatzkiste füllen und den Weg zu ihr freihalten“ darum, sich die eigenen Ressourcen und Stärken bewusstzumachen und sie als Werkzeug zur Hand zu haben, wenn schwierige Situationen zu bewältigen sind.

Das Werk ist in einem persönlich ansprechenden Stil geschrieben. Potreck-Rose untermalt ihre Anleitung (die Theorie) mit zahlreichen Beispielen aus ihrer
psychologischen Praxis und lässt den Leser somit an ihrem umfangreichen Erfahrungsschatz im Umgang mit ihren Klienten teilhaben. Die Sprache ist allgemein verständlich und verzichtet auf komplizierte psychologische Erklärungen und Fachausdrücke. Der Text liest sich fliessend und wie
eine zusammenhängende Geschichte, wobei die Beispiele Neugierde wecken und zu einem hohen Grad an Identifikation führen, da der Leser sich in den Situationen oft selber erkennt.

Neben diesen Praxisbeispielen zeichnet sich das Buch durch farbig hinterlegte Informationskästen und abgegrenzte Übungsecken mit dem Titel ‚Was Sie selbst tun können‘ aus, die zwar zum Teil so zahlreich sind, dass sie den Lesefluss stören können, ohne die das Buch aber den Ratgeber-Charakter im Sinne einer Anleitung zum Selbermachen verlieren würde. Die einfach formulierten Übungsanleitungen sind gut umzusetzen und stammen aus der psychologischen Praxis. So geht es zum Beispiel bei den Übungen im Kapitel „Den inneren Kritiker mässigen“ darum, die inneren kritischen Stimmen wahrzunehmen, zu analysieren, in welchem Zusammenhang der Kritiker auftaucht, und dessen Kritik Einhalt zu gebieten. Weiter geht es darum, sich an
selbstwertförderliche und -hinderliche Elternsätze (Leitsätze) zu erinnern, die letzteren im inneren Kritiker zu erkennen und zu bannen.
Am Ende der Kapitel gibt die Autorin weiterführende Psychologie-Literatur-Tipps. Dies erleichtert das gezielte Vertiefen in das Kapitel-Thema und ergänzt die Literaturreferenz am Ende des Buches.

Mit „Von der Freude den Selbstwert zu stärken“ bietet Potreck-Rose eine einfach zu verstehende Anleitung zum sorgfältigen, liebevollen Umgang mit sich selbst. Die Lektüre ist lustvoll zu lesen und äusserst wohltuend. Man fühlt sich ‚gut aufgehoben‘ bei der Autorin, die einem das Gefühl vermittelt, vollkommen in Ordnung zu sein, so wie man ist. Das Werk wird sicherlich von Lesern geschätzt, die sich mangels Selbstwert vom Inhalt
des Buches angesprochen fühlen und etwas an sich ändern wollen. Ist dies nicht der Fall, kann es sein, dass das Buch als nicht ernst zu nehmendes ‚Ich fühle dich‘-Geschwätz ankommt und als harmloses pseudo-fröhliches Selbsthilfe-Büchlein empfunden wird.

Das Werk gehört in den Themenbereich der Positiven Psychologie, die sich mit dem Positiven im Menschen und in der Welt beschäftigt, und hat somit einen lösungsorientierten Fokus im Hier und Jetzt. Mit Hilfe der Übungen kann auch tiefgreifender psychologisch gearbeitet werden, immer mit dem Ziel, die eigenen Tugenden, Ressourcen und Stärken zu fördern. Somit ist das Buch als moderner Gut-Fühl-Ratgeber mit fundiertem, ernst zu nehmendem psychologischem Hintergrund zu beschreiben.

Dr. phil. Friederike Potreck-Rose ist Psychologische Psychotherapeutin mit eigener Praxis in Freiburg im Breisgau. Ihre professionellen Wurzeln hat sie in der Verhaltens- und Gestaltpsychotherapie. Sie arbeitet ausserdem als Supervisorin und Dozentin an Ausbildungsinstituten für Verhaltenstherapie und als Privatdozentin an der Universität Freiburg. Zusammen mit der Autorin Gitta Jacob schrieb sie das Werk „Selbstzuwendung, Selbstakzeptanz, Selbstvertrauen“ das als Standardwerk zum Thema Selbstwert gelten kann.


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