Laut dem Evolutionsbiologen Robin Dunbar von der Universität Oxford gibt es einen statistischen Zusammenhang zwischen der Grösse der Grosshirnrinde (Dunbar sieht die Anzahl als Eigenschaft bzw. Funktion des Neocortex.) und der Grösse der Sippe. Als Dunbar-Zahl versteht man die theoretische kognitive Grenze der Anzahl an Menschen, mit denen eine Einzelperson soziale Beziehungen unterhalten kann. Bei Menschen liegt die Grösse bei etwa 150 Mitgliedern, was der durchschnittlichen Anzahl von Menschen entspricht, die wir persönlich kennen“.
Die psychologischen Anforderungen, die das Leben in einer grossen Gruppe an den Einzelnen stellt, hängen dabei eng mit der Grösse des Gehirns zusammen. Unser Hirn lässt also keine Gemeinschaften von über 150 Personen zu.
150 stellte die typische Gruppengrösse in Jäger-und-Sammler-Gesellschaften dar, markiert die durchschnittliche Grösse der Dörfer im England des elften wie 18. Jahrhunderts. Die Hutterer teilen ihre Gemeinden auf, wenn sie 150 Menschen umfassen. Sie glauben, dass grössere Gruppen nicht mehr allein durch sozialen Druck funktionieren und einen Polizeiapparat benötigen. Das gleiche Prinzip ist das des Funktionstextilien-Herstellers Gore-Tex: Anstatt die Grösse der Fabrik zu erweitern, baute Bill Gore, als das Auftragsvolumen stieg, nebenan eine neue, völlig unabhängige und in sich geschlossene Fabrik. Dies hat eine Arbeitsgemeinschaft zur Folge, innerhalb derer jeder jeden kennt und in der es keiner formalen Systeme für die verschiedenen Führungsebenen oder Namensschilder bedarf. Vielleicht ist aber das Militär das beste Beispiel: Alle modernen Armeen weisen eine ähnliche Organisationsstruktur auf. Den Kern stellt die Kompanie dar, mit 120 bis 180 Leuten. Jeder, der beim Militär war, wird bestätigen können, dass weit mehr als das Batallion oder das Regiment die Kompanie die Einheit ist, der man sich zuordnet.
Die Dunbar-Zahl ist entsprechend die Grösse unserer persönlicher Netzwerke – die Zahl von Menschen, zu denen man in einer Beziehung steht, die reziprok ist (Ich helfe dir und weiss, dass du mir hilfst) und eine Geschichte hat (wir beide wissen, wie und warum wir uns kennengelernt haben).
Nur fünf Freunde fürs Leben
Und ja, man kann 500 oder 1.000 Facebook-Freunde haben, wenn man es darauf anlegt, aber das scheint mehr mit Wettbewerb zu tun zu haben als mit Freundschaft. Im Durchschnitt haben wir 120 bis 130 Freunde, davon sind fünf sehr enge und weitere zehn gute Freunde, 35 einfach-nur-Freunde und der Rest Bekannte. Auch wenn nicht umfassend geklärt ist, warum unsere sozialen Bindungen derart beschränkt sein sollen, ist Zeit eine gute Erklärung: Die Qualität einer Beziehung hängt davon ab, wie lange man sich ihr widmen kann, und da Zeit ein begrenztes Gut ist, müssen wir sie auf die Pflege von Sozialkontakten ungleich verteilen. Die meiste verwenden wir auf den inneren Kern von fünf Freunden. Es könnte sich aber auch um ein Gedächtnisproblem handeln: Es kostet Mühe, auf dem Laufenden zu bleiben. Den Überblick behält man wohl nur für einen Kern von fünf Personen.
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